Otto Strasser. Der linke Nationalsozialist von Günter Bartsch

  • Beschreibung
  • Mehr Details ...

Biographie

Paperback, 366 Seiten

Auslieferung: ab 5. März 2020

 

Diese Biographie Otto Strassers, neben seinem Bruder Gregor sicherlich der gefährlichste Gegner Hitlers aus den Reihen des Nationalsozialismus, schließt eine zeitgeschichtliche Lücke. Zu lange galt vielen die Opposition gegen Hitler, die sich aus den Reihen der alten Kampfgenossen bildete, als moralisch diskreditiert. Daß sich die „linken Leute von rechts“ innerhalb der NSDAP um die Gebrüder Strasser gruppierten, zeitweise zur offenen Rebellion gegen den „Kleinbürger Adolf Hitler“ (Goebbels) aufriefen und zumindest während einer kurzen Phase 1925 die Chance hatten, die radikal-sozialistische Variante der nationalsozialistischen Ideologie gegen die Münchener Parteiführung um Hitler in der Gesamtpartei durchzusetzen, gehört zu den am wenigsten beachteten Kapiteln der NSDAP-Geschichte.


Bartschs Strasser-Biographie macht diese Zeit verstehbarer. Er zeichnet die Lebenslinien Otto Strassers, des theoretischen Kopfes der frühen NSDAP, in einer lebendigen und spannenden Erzählweise nach und beleuchtet gleichzeitig mit der Genauigkeit des Historikers den ideengeschichtlichen Hintergrund einer deutschen Epoche, die in Hitler-Diktatur, Krieg und dem Zusammenbruch Deutschlands mündete. Das politische Wirken Otto Strassers von seiner SPD-Mitgliedschaft über die führende Rolle in der NSDAP bis zum Austritt im Juli 1930 mit dem Aufruf „Die Sozialisten verlassen die NSDAP!“, die Jahre des Exils und die im Ergebnis erfolglosen Versuche der organisatorischen Neuformierung einer Strasser-Partei im Nachkriegsdeutschland werden anhand bislang unausgewerteter Dokumente und einer Vielzahl von Gesprächen, die der Autor mit Zeitzeugen führte, eindrucksvoll dargestellt.

Jahrgang 1927, geboren und aufgewachsen in Niederschlesien, Volksschule, Reichsarbeitsdienst und Wehrmacht, Strafbataillon wegen politischer Äußerungen. Nach 1945 Aufbau der Gewerkschaftsjugend im Industriekreis Peine. 1947 wurde Bartsch Mitglied der KPD, wandte sich aber nach der Niederschlagung des Volksaufstandes in der DDR 1953 vom Kommunismus ab.

Seit 1961 als Schriftsteller und Zeithistoriker tätig. Besonderes Interesse an historischen Nischen, an denen andere achtlos vorübergehen. Bartsch untersuchte mit Vorliebe die Wechselbeziehungen zwischen sozialen Bewegungen, geschichtlichen Krisen und kulturellen Umbrüchen. Günter Bartsch verstarb im Juli 2006.


Inhalt

Geleitwort und persönliche Vorbemerkung

I. Jugend und Reifezeit

Die Eltern und Gregor

Der ,rote Leutnant’ und die sozialdemokratischen Jahre

Sinowjew und die kommunistische Faszination

Das erste Gespräch mit Hitler

Moeller van den Bruck und der Juni-Club

II. Der Konflikt mit Hitler und die Aufspaltung der Fronde

Vom Hilfsreferenten zum Direktor

Im politischen Sog

Hitlers vorzeitige Entlassung

Die Arbeitsgemeinschaft

Das Hannoversche Programm

Der Bamberger Gegenzug

Spaltung

Doppelspiel

„Dann werde ich schießen, Herr Hitler!"

Weichensteller Mensch

Im Münchner Hauptquartier

Falsche Askese?

Mittelstands- oder Arbeiterpartei?

Das letzte Gespräch mit Hitler

III. Kampfgemeinschaft und Revolutionstheorie

Parteisäuberung und Spaltung des Strasserismus

Menschenbild und Philosophie: Ich und Wir

Blanks Begründung und Erweiterung

Die Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten

Freiheit nicht ohne Krieg

Der I. Reichskongreß

Die 14 Thesen der Deutschen Revolution

Für eine Nationalreligion?

Wir suchen Deutschland

Der Aufbau des Deutschen Sozialismus

Revolutionäre Männerkleidung

Die weibliche Schwäche der Kampfgemeinschaft

Brauner Terror, Stennes-Revolte und Schwarze Garde

Der III. Reichskongreß

IV. Schwarze Front, Flucht und Exil

Die neue Front

Rot oder schwarz?

Das Landvolk steht auf

Die Zusammensetzung der Schwarzen Front

Wie arbeitet die Schwarze Front?

Schleichers Querfrontpolitik und Gregor Strassers Rücktritt ...

Die letzte große Saalschlacht

Im Untergrund

Das letzte Gespräche der Brüder

Wien und der I. SF-Kongreß

Die Prager Auslandszentrale

II. Illegaler Reichskongreß der Schwarzen Front

Die Hinrichtung Gregor Strassers

Entführungsversuche und Attentate

Ein General fragt an

Auf der Flucht

Bermuda und die Frei-Deutschland-Bewegung

Die große Versuchung

Der Eigenbrötler von Clarence

V. Mit Luftwurzeln leben

Solidarismus

Die Konzeption von 1945

Die Revision von 1967

Unerwünschter Ausländer

Mysteriöses Angebot aus Ostberlin

„Ich werde das heutige Regime stürzen!"

Die Rückkehr ins verfremdete Deutschland

Ein bedenkliches Treffen

Drei Abwendungen

Rechter Argwohn, linker Haß

VI. Das Experiment Deutsch-Soziale Union

Parteigründung

Organisationsform

Linke Außenseiter

Der Große Plan

Parteikrise

Unterwanderung

Die eigene Partei verraten?

Selbstauflösung

Besinnungspause und neue Pläne

VII.Aufarbeitung: Faschismus, Kommunismus, Nationalsozialismus

Faustischer Tatendrang

Eine peinliche Verwechslung

Die Beschränkung des Nationalsozialismus

auf den deutschen Sprachraum

Antisemitismus und Rassenauslese

Solidarismus als Heilslehre und Dritter Weg

VIII. Die »Vorschau« und Strassers letzte Jahre

Wiedervereinigungs-Revolution?

Den historischen Blick schärfen!

Amerika-Tournee

Letzte Gespräche

Das Ende im Flur

IX. Vergleiche im zeitgeschichtlichen Kontext

Otto Strasser und Leo Trotzki

Strasser und Rauschning

Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Dokumentarischer Anhang