Friedrich Kabermann, Ernst Niekisch, Widerstand und Entscheidung eines deutschen Revolutionärs

Leben und Denken von Ernst Niekisch
Ernst Niekisch war der herausragende Vertreter der "Konservativen Revolution", dessen Widerstandsdenken, eine Synthese von revolutionärem Sozialismus und preußischem Staatsdenken, ihn in Gegnerschaft zum Nationalsozialismus brachte. 1937 wurde er verhaftet und 1939 wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft verurteilt. Niekisch sah nur im Ausgleich und in einem Bündnis mit Rußland die Chance, Deutschlands Machtstellung zu behaupten. Haffner erkannte in ihm den Theoretiker der zukünftigen Weltrevolution des Nationalen.

420 Seiten, Pb.

Inhaltsangabe:

Erster Teil:

I. Der Lebensweg Ernst Niekischs 1889-1919

1. Jugend und Ausbildung

2. Der I. Weltkrieg und Niekischs Eintritt in die Politik

3. Revolution und Räterepublik in Bayern 1918/19

4. Zwischen Nationalismus und Sozialismus

II. Probleme deutscher Innen- und Außenpolitik: Zur Grundlegung der politischen Konzeption Ernst Niekischs 1918-1925

1. Bayern als reaktionäre "Ordnungszelle" des Reiches und die Anfänge Hitlers

2. Grundfragen deutscher Politik

a) Versailles und Ruhrkampf

b) Die Sozialdemokratie zwischen Revolution und Reaktion

c) Zum historischen Zusammenhang von Staat, Nation und Arbeiterschaft

d) Deutschland und Rußland: nationale Selbstbestimmung und Weltrevolution

3. Zur Kontroverse Niekischs mit E. Bernstein

4. "Die verratene Republik": Niekischs Stellung zur Weimarer Demokratie

5. Politik und Geschichte: der nationale Machstaatsgedanke im Horizont der Geschichtsphilosophie Hegels

III. Widerstand 1926 - 1929

1. Gründung und Konzeption des Widerstand

2. Weltanschauliche Symbole des Widerstandes

a) Deutschland und der bürgerliche Westen: das nationalistische Symbol Versailles

b) Deutschland und der proletarische Osten: das revolutionäre sozialistische Symbol Moskau

3. Das Deutsche Reich als protestierende Macht

a) Deutschland und der romanische Süden: das klerikalistische Symbol Rom

b) Zum "Dostojewsi-Mythos"

c) Protestantismus und Widerstand

4. Zur Frage nach der "Logik" der Geschichte

IV. Entscheidung 1929-1930

1. Politik zwischen Widerstand und Entscheidung

a) Widerstand und Bund Oberland

b) "Aktion der Jugend"

c) Widerstand und Landvolkbewegung

d) Widerstand und Reichswehr

2. Ideologie der Entscheidung

a) Heroischer Sozialismus

b) "Um die Entscheidung": zur Auseinandersetzung Niekischs mit W. Stapel

3. Widerstand und "Konservative Revolution"

Zweiter Teil

V. Von der Weimarer Republik zur "nationalen Revolution" des Bürgers 1930-1933

1. "Hitler - ein deutsches Verhängnis"

a) Der Nationalsozialismus als soziale Heilslehre

b) Hitler als Repräsentant des radikalen Bürgertums

c) "Hitler - ein deutsches Verhängnis": Irrtum und Wahrheit

2. "Die Legende von der Weimarer Republik"

a) Bürgerliche Demokratie und faschistische Diktatur

b) Arbeiterschaft, Revolution und bürgerliche Reaktion

c) Das "Reich" als bürgerliche Ideologie

d) Widerstand und KPD

3. Idee und Ideologie mit einem Exkurs: Ideologie, Idee und Ethos des Widerstand, Bemerkungen zu H. Buchheims Aufsatz "Ernst Niekischs Ideologie des Widerstands

VI. Entscheidung und Dezisionismus 1933-1937

1. Dezisionismus

a) Die historischen Voraussetzungen des dezisionistischen Subjektivismus am Leitfaden der Analyse C. von Krockows

b) Der Dezisionismus bei E. Jünger, C. Schmitt und M. Heidegger

c) Der Umschlag des Dezisionismus und das Scheitern des "wesentlichen Denkens"

d) Zu Niekischs Rezension der Arbeit Krockows und zur Frage nach dem theologischen Dezisionismus

2. Widerstand in der Entscheidung

a) Widerstand, Verhaftung, Prozeß

b) Entscheidung und "Revolution des Nihilismus"

c) Der Begriff des Politischen: zur Auseinandersetzung Niekischs mit C. Schmitt

3. Schicksal und Geschichte

VII. "Proletarischer Imperialismus" 1935

1. Bolschewismus als neues Prinzip weltgeschichtlicher Daseinsgestaltung

a) Das Ende des "Abendlandes"

b) Der weltgeschichtliche Neubeginn in der Sowjetunion: Philosophie und Politik - Marx und Lenin

2. Der Arbeiter als Gestalter des neuen technischen Ordnungskosmos

a) Der Arbeiter als "ditte imperiale Figur"

b) Soldat und Arbeiter

3. "Der Arbeiter, Herrschaft und Gestalt" bei E. Jünger

4. E. Niekischs Stellungnahmen zum "Arbeiter"

5. Gestalt und Figur

6. "Verschleuderte Welt": zur Legitimation der technisch-kollektivistischen Daseinsordnung

7. Geist und Natur: Die Frage nach der Technik

Dritter Teil

VIII. Zwischen den Fronten 1945 - 1954

1. Zwischen Ost und West

2. "Deutsche Daseinsverfehlung"

a) BRD

b) DDR

3. "Europäische Bilanz": Freiheit und Ordnung

4. Die Frage nach dem Bürger: zur Diskussion zwischen E. Niekisch und K. Jaspers

IX. Das Ende der Geschichte: Die Weltherrschaft des Clerk 1954-1967

1. Geschichte als Kreislauf der Machteliten

a) Arbeit und Herrschaft

b) Herrschaft des Geistes

c) Wissen und Glaube: zyklische und lineare Geschichtsbetrachtung

2. "Europas Heimkehr": zur KOnzeption "Eurasien"

3. Der Clerk

a) Die neue imperiale Figur

b) Manager und Funktionäre: "Kampf der Clerkgesellschaften um die Erdballherrschaft"

c) Der Clerk als "uneigentlicher" Mensch

4. Der einzelne und das Kollektiv: zur Kritik Niekischs an E. Jüngers "Waldgang"

X. Zur Struktur von Sprache und Denken bei Ernst Niekisch

1. Bilder und Begriffe

2. Natur und Geschichte

a) Dialektischer Materialismus und Evolution

b) Historischer Materialismus und Humanismus: Hegel, Marx und Heidegger

3. Dialektik

a) Geschichte und Revolution: zur Dialektik von Freiheit und Notwendigkeit

b) Wahrheit und Geschichte: Historische Dialektik und politische Kritik

Schlußbemerkung: "Gewagtes Leben" - Gewagtes Denken

 

Die Biographie Ernst Niekischs
Schriftsteller, Politiker

1889
23. Mai: Ernst Karl August Niekisch wird als Sohn eines Feilenhauers in Trebnitz geboren. Besuch der Volks- und Realschule und Abschluß des Lehrerseminars, danach Volksschullehrer in Augsburg.

1917
Eintritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).

1918/19
Vorsitzender des "Zentralen Arbeiter- und Soldatenrates" in München.

1919-1922
Niekisch wird als Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) in den Bayerischen Landtag gewählt. Juni: Niekisch wird aufgrund seiner sozialistischen Aktivitäten
des Hochverrats angeklagt und zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt, die er wegen seines Abgeordnetenmandats jedoch nicht antreten muß.

1922
Nach der Vereinigung der USPD mit der SPD ist er kurzfristig Vorsitzender der Landtagsfraktion in Bayern.

1923
Herbst: Niekisch legt sein Mandat nieder und wird Sekretär des "Deutschen Textilarbeiterverbandes" in Berlin. Veröffentlichung der Schrift "Hitler, ein deutsches Verhängnis", in
der er vor Adolf Hitler und der Gefahr einer nationalsozialistischen Machtübernahme warnt.

1926-1934
Als Herausgeber der Zeitschrift "Der Widerstand" tritt er für eine nationalbolschewistische und antiwestliche Politik ein. Die Synthese von extremem Nationalismus und revolutionär-sozialistischen Elementen bleibt nicht ohne Wirkung auf den linken Flügel der Nationalsozialistischen Deutschen
Arbeiterpartei (NSDAP) um Gregor Strasser und Ernst Röhm.

1933
Nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten ist Niekisch bemüht, nicht nur den Widerstand sozialistischer Gruppen zusammenzuhalten, sondern sucht auch Kontakte zu national-konservativen Widerstandsgruppen herzustellen.

1937
22. März: Als Gegner des Nationalsozialismus wird er wegen konspirativer Tätigkeit von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet.

1939
10. Januar: Niekisch wird vom Volksgerichtshof wegen Hochverrats und Fortführung einer politischen Partei zu lebenslanger Zuchthaushaft verurteilt.

1945
April: Durch schwere körperliche Mißhandlung teilweise gelähmt und später fast völlig erblindet, wird Niekisch von der Roten Armee aus dem Zuchthaus Brandenburg befreit. Übersiedlung nach Berlin und Eintritt in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD).

1948
Professor der Soziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

1949
Als Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) wird Niekisch in die Volkskammer delegiert.

1954
Nach der gewaltsamen Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 geht er auf Distanz zur SED und legt alle politischen Ämter nieder.

1963
Nach Kritik an dem Regierungssystem der DDR, Austritt aus der SED und Übersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland.

1967
23. Mai: Ernst Niekisch stirbt in West-Berlin.